Dienstag, 30. November 2010

1. Advent

So liebe Freunde,

Wegen mysterioesem Internetausfall komme ich erst heute, dem 30. November, zu einem Eintrag ueber die letzte Woche und unser ereignisreiches Wochenende!

Unser Alltag hat sich mal wieder etwas gewandelt- seid letzter Woche unterrichten wir naemlich die "Precandidates", junge Frauen in der Schwesternausbildung, in Englisch. Wir hatten drei Tage in der St. Robertshighschool unterrichtet, was wir aber schnell wieder abgebrochen haben, da wir das Gefuehl hatten, dass es weder den Schuelerinnen noch uns viel gebracht hat. Die Roberts-Maedchen sprechen leider einfach noch zu wenig Englisch, als dass wir irgendwie Ihnen weiterhelfen koennten. Ausserdem sind sie noch ganz andere Lehrmethoden gewohnt als Julia und ich. So haben wir mit der Oberschwester eine gute andere Loesung gefunden. Die Precandidates sind um die 20 jahre alt und sehr nette, aufmerksame Frauen. Die Klassenstaerke betraegt hier 14- nicht (wie in Roberts) 90. Angenehm. :)
Ausserdem sind wir ziemlich beschaeftigt mit unserem Krippenspielprojekt, was wirklich langsam schon Formen annimmt! Das macht uns grossen Spass- die Maedchen haben eine gute Englischuebung und auch Spass an der Sache, glaube ich, und wir lernen auch ziemlich gut Hindi dabei! (Wir versuchen naemlich immer mit Pantomime und unserem Hindi die Textinhalte zu verdeutlichen:) ).

Wir haben noch ein weiteres Hobby gefunden: naemlich Basketballspielen in der nahegelegenen St. Xaviousschool! Diese Highschool ist etwas besser ausgestattet als St. Roberts und verlangt aber auch mehr Schulgeld, also etwas elitaer. Die Schueler koennen dafuer aber auch sehr viel besser Englisch und man merkt schon an der Geschwisterzahl der meisten (2, nicht 5), dass die Kinder aus bessergestellten Familien kommen. Wir sind froh, diese sozialen Unterschiede so deutlich sehen zu koennen, wobei wir aber auch nicht in St. Xavious unterrichten wollen wuerden, sondern gluecklich ueber unsere Aufgabe hier sind. Wir haben in den Jungs der 12. Klasse ziemlich witzige und nette Spielkumpanen gefunden und toben uns jetzt manchmal gerne beim Basketball mit denen aus.
 Nun zum Wochenende:
Am Samstag haben wir vormittags mal wieder ein paar Dinge in der Stadt besorgt- das faellt dann und wann mal an. Nachmittags haben wir uns mit zwei Basketballbuddies getroffen, die uns Skooti-fahren gezeigt haben! Das ist ein kleiner Motorroller, den hier vor allem Frauen fahren. Es hat grossen Spass gemacht- Juju darf jetzt ja auch (eigentlich) ganz offiziell ganz alleine fahren! Musste gleich ausgenutzt werden...
Und am Sonntag: sind wir vormittags mit father George, der lange in Wien gelebt hat und deshalb sehr gut deutsch spricht und mit dem wir uns sehr gut verstehen, auf den oertlichen "Berg": Canary hill gefahren. Von dort hatte man einen schoenen Blick ueber ganz Hazaribag. Da haben wir erst richtig gesehen, dass dieses Staedtchen schon ziemlich gross ist- von der Flaeche her und von der Einwohnerzahl her auch! Eine halbe Mio. ist wohl die Einwohnerzahl. Leider war es etwas nebelig, aber es ist dann etwas aufgeklart.
Wir haben dann noch einen Abstecher in ein indisches 'Jugendwerk' gemacht. Hier bekommen junge Maenner eine 10 monatige Ausbildung zum Elektroniker, Tischler, Driver, ...(wir konnten nicht alles verstehen) geboten. Geleitet wird das auch von Christen ('maennliche Schwestern') und gefoerdert werden vor allem Jungs aus den untersten Schichten. Jeweils 50 leben und lernen zusammen auf dem Gelaende. Auftraege werden aus Hazaribag und Umgebung entgegen genommen. Father George hat auch einen sehr schoenen Esstisch aus dieser Werkstatt:). Wir fanden das auf jeden Fall eine tolle und sinnvolle Institution.

Zum Mittagessen waren wir bei einer Schuelerin der St. Robertshighschool eingeladen, die wir schon ziemlich gut kennen. Das war eine richtig indische Einladung bei einer kleinen indischen Grossfamilie:). Sudhan, das Maedchen, ist unglaublich nett und clever und interessiert und spricht wirklich gutes Englisch. Auch ihre Schwestern und Cousienen (zwei Familien wohnen hier zusammen) kennen wir schon- sie waren auch mit in Kolkatta. Sie haben uns ihr ganzes Haus und den Garten gezeigt und fuer indische Verhaeltnisse sah alles sehr aufgeraeumt und auch einigermassen 'wohlhabend' aus. Die Vaeter sind zusammen Inhaber einer kleinen Apotheke (medicineshop). Unser Besuch war eine sehr grosse Ehre fuer die Familie-alle haben uns begruesst und wir haben ein grosses, leckeres Essen serviert bekommen. Indische Gastfreundschaft drueckt sich ausserdem in der Geste aus, den Gast zuerst essen zu lassen und ihm dabei zuzugucken und selbst dann spaeter zu essen. Das war uns etwas fremd und unangenehm, weil die Kinder ziemlich dollen Hunger hatten, glauben wir und wir sind es eben anders gewoehnt. Wir haben uns aber bemueht, das zu uebersehen und diese Freundlichkeit nicht als unangenehm zu empfinden, denn wir sind ja in Indien und nicht in Europa. Ziemlich bald nach dem Essen sind wir (und die 2 Schwestern, die mit waren) auch wieder abgetueffelt- auch typisch indisch. Vor dem Essen verbringt man Zeit zusammen (wir haben mit den Kindern gespielt und uns unterhalten) und danach ist das Treffen ziemlich zu Ende. Dann konnten die Kinder auch essen, was wir ganz gut fanden:).
Diese Einladung war auf jeden Fall unglaublich nett und wir moegen die Maedchen allesamt sehr gern.

Heute war auch gleich schon wieder die naechste Feierlichkeit (schon wieder ein Jubilaeum), bei der wir ploetzlich einen jungen New Zealaender in der Kirche entdeckten! Er ist auf der Durchreise und heute haben wir ihm schon ein bisschen Hazaribag gezeigt. Er hat sehr interessante und spannende Sachen von seiner Reise erzaehlt und sein Englisch ist ganz ungewohnt:) Da haben wir erstmal gemerkt, wie eingeindischt wir schon sprechen- ohne Artikel und mit verquerer Satzstellung....Aber das gibt sich ja wieder...:)

Also fuers erste die allerherzlichsten Gruesse!!!
Und frohen ersten Advent,
von Juju und Cosi

Hier noch ein paar Fotos:
                                                                  Juju auf Skootie tour


Bei der Krippenspielprobe- wegen der vielen Moskitos draussen in unserem Zimmer- auf Cosis Bett...


                                                           Canary hill- Juju und Cosi


                                                                       Mit father George


Bei Sudhans Familie (Sudhan links hinter Juju, in rotem Shirt); links Sudhans Tante, rechts im Bild ihre Mutter
                                                 links von Juju Sr. Agnes, dann Sr. Tacilla


                                                                            Canary hill

                                                      Hausaufgabenstunde der Hostelgirls

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