Nun ist tatsaechlich schon wieder ein ganzes wahnsinnig ereignisreiches Jahr um und wir schreiben den 1.1.2011!! Was fuer ein tolles Datum :). Julia und Ich haben mehr oder weniger ruhig ins neue Jahr geschlafen (wir wurden Gott-sei-dank von Anrufen aus Deutschland geweckt) und haben mit einer Morgenmesse heute um 7 Uhr den Neujahrstag begonnen....So frueh waren wir an Neujahr noch nie auf den Beinen...
Die letzten Tage des Jahres 2010 haben wir in Tarwa verbracht, einer Aidshilfestation der Schwestern.
Tarwa ist ein ziemlich grosses Gelaende der Schwestern mitten im indischen Kleinbusch. Ein grosser Garten mit einer einsamen Kuh, die Julia sehr liebgewonnen hat, und vielen Aloevera-Pflanzen und Gemuese und Obst umringt das ziemlich grosse Krankenhaus.
An die 100 Patienten koennen hier aufgenommen und betreut werden, im Moment waren aber nur ca 20 auf Station. Die Instituion ist nur fuer Aidskranke- und diejenigen die daraus folgend an Tuberkulose, Hepatitis oder anderen schlimmen Krankheiten leiden. Die 5 Schwestern und ca 30 Mitarbeiter betreuen Aidskranke der Region. Sie verteilen Medikamente an die Patienten, machen Hausbesuche in den Doerfern und Aufklaerungsarbeit und Praevention. Patienten, denen es sehr schlecht geht, koennen max. 14 Tage hier auf Station betreut werden- und der Staat bezahlt alles. Auch die Medikamente sind kostenlos!! Fuer alle!!!! Wir waren beeindruckt....
An einem Tag haben wir einen field-service-trip gemacht, der unglaublich abenteuerlich und beeindruckend war. Wir haben Einblick in die aermsten Doerfer und Lebensverhaeltnisse bekommen und den Kampf gegen Aids hautnah miterlebt. Die Mitarbeiter besuchen in regelmaessigen Abstaenden die Patienten und versuchen dafuer zu sorgen, dass alle ihre Medikamente regelmaessig nehmen und auf ihre Gesundheit achten. Das ist eine unglaublich muehsehlige Angelegenheit, weil die Menschen groesstenteils den Wert dieser freien Medikamente gar nicht schaetzen koennen. Viele nehmen ihre Medizin einfach nicht ein, besorgen sie sich nicht von den Ausgabestellen, weil sie zu weit entfernt wohnen und die Kraft, das Geld und die Zeit nicht haben, ihre Arbeit im Stich zu lassen und sich die Medikamente abzuholen. Wenn sie dann Erkaeltungen oder aehnliches bekommen, ruhen sie nicht und laufen trotzdem in duennsten Sareestoffen durchs Land. Und wenn sie dann so krank sind, dass sie sich nicht mehr selbst verpflegen koennen, sterben sie oder sie werden in Tarwa wieder aufgepaeppelt. So weit das in 14 Tagen moeglich ist.
Wir koennten uns glatt aufregen ueber diese Verantwortungslosigkeit und Schlumerei, mit der diese in der ganzen Welt so wichtigen und teuren Medikamente behandelt werden!!! Der Grund liegt wahrscheinlich wieder in mangelnder Bildung... Denn eigentlich ist es ja toll, dass der Staat diese Medikamente stellt.
auf dem field-trip
ein kleiner Spaziergang durch den Busch:
Wir haben gesehen, wie Aidskranke von der Gesellschaft ausgeschlossen werden und wie schon kleinste Kinder infiziert, hustend und schreiend durchs Krankenhaus laufen, mit infizierten Eltern oder als Teil- oder Vollwaisen. Wir haben wirklich aermste Verhaeltnisse in den Doerfern gesehen und Menschen, die nur noch Haut und Knochen waren.
Aber mit diesen erschreckenden Bildern haben wir die Arbeit der Schwestern und ihrer Institution kennen gelernt und darin sehr viel Zuversicht und liebevolle Sorge fuer die Menschen gesehen. Es ist bewundernswert, wie ausdauernd die Mitarbeiter Patienten suchen und betreuen und mit was fuer einer Geduld sie mit ihnen sprechen. Es scheint ein so aussichtsloser Kampf zu sein, aber die Krankenschwestern und Berater sind voller Energie und versuchen jedem Einzelnen so gut wie moeglich zu helfen! Das ist unglaublich schoen zu sehen.
Mit dem Krankenhaus haben die Schwestern nun eine Schule fuer Aidswaisen und infizierte Kinder hier in Hazaribag aufgebaut. Es ist alles noch in den Anfaengen und ziemlich einfach und aermlich, aber die Schule soll wachsen, damit die Kinder eine Chance und ein zuHause bekommen. Wir halten das fuer ein grandioses Projekt! Viele der Mitarbeiter sind auch infiziert, aber in einem stabilen Stadium; bekommen im Krankenhaus einen Arbeitsplatz und koennen gleichzeitig anderen Kranken helfen. Auch das ist doch eine tolle, hoffungsgebende Idee!
Neben diesen unbeschreiblich intensiven Erfahrungen haben Julia und ich uns sehr gut erholt auf dem Land. Wir haben die Kuh gemolken, Grass geschnitten und die wunderschoenen Sonnenuntergaenge genossen. Es war paradisisch. Die Landschaft hier in Jharkhand ist biblisch schoen und wir haben erfahren, dass es auch Elefantan gibt!!! Leider haben wir noch keinen zu Gesicht bekommen...Aber; neues Jahr, neues Glueck!
Hoffentlich hattet ihr alle einen fabelhaften Rutsch und seid wohlauf! Wir wuenschen euch das Beste!
Julia und Cosi schicken ein Sonnenuntergangsherz aus Tarwa...alles Liebe!
Ihr beiden Lieben,
AntwortenLöschenEuer neuester Eintrag ist sehr bewegend, wie schon so viele zuvor.
Für viele, viele andere wünsche ich Euch ein wunderschönes Jahr 2011. Wir sind wahnsinnig gespannt, was Ihr noch alles während Eurer restlichen Zeit in Indien erleben werdet. Diese Erlebnisse werdet Ihr nicht mehr vergessen.
Herzliche Grüsse,
Euer Matthias.